Strohflechten – ein altes Schonacher Handwerk

Die Geschichte der Strohflechterei in Schonach

Die Strohflechterei ist einer der ältesten Industriezweige im Schwarzwald und ist aus der Hausindustrie und der Heimarbeit hervorgegangen. Das Ausgangsmaterial war langhalmiger Roggen. Aus ihm wurden Dinge für den täglichen Gebrauch wie Strohschuhe, Taschen und Hüte hergestellt.

Das Badische Landesgewerbeamt erwähnte im Jahre 1716 zum ersten Mal die Strohhüte als Kopfbedeckung, die vorwiegend zu den Schwarzwälder Trachten getragen wurden. Lange Zeit blieb die Strohflechterei auf den Herrschaftskreis Triberg beschränkt, dabei war Schonach einst ein Zentrum der Strohflechterei im Schwarzwald.

Zunächst waren die Geflechte noch recht grob. Erst Obervogt Huber machte 1806 die Bevölkerung mit den feineren Flechtmethoden bekannt, die er sich von Lehrmeistern aus der Schweiz und Italien abgeschaut hatte. Diese wunderschönen  feinen Flechtwerke wurden aus den gespaltenen Halmen hergestellt und ließen sich viel besser verkaufen als die groben Flechtarbeiten. Allerdings bedeutete dies auch, dass der Roggen dafür unreif geerntet werden musste. Dennoch gab es letztlich keine Alternative zur Herstellung der feinen Flechtarbeiten, die besseren  Absatz versprachen.

Der langhalmige Roggen wurde überall angebaut und war ein billiges natürliches Naturprodukt. Auf den Höfen wurde vor allem in den Wintermonaten Stroh geflochten. Kinder wie Alte arbeiteten in diesem Handwerk. In der Blütezeit um 1810 waren ca. 1.500 Mädchen und Frauen in der Strohflechterei beschäftigt, um durch diese Tätigkeit zum Unterhalt der Familie beizutragen, denn die wirtschaftliche Not war in dieser Zeit enorm hoch. 250 dieser Flechterinnen stellten feinere und kompliziertere  Flechtarbeiten her, die den doppelten Erlös erzielten. Die fertigen Strohbänder wurden wiederum von anderen Familien aufgekauft und in Heimarbeit zu Strohtaschen und Hüten verarbeitet.

Ende des 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Strohflechterei bedeutender als die Uhrenindustrie und bedeutete für viele Menschen Brot und Lohn. So manche  Glasträgerkompanie nahm die Strohhüte mit in ihr Handelsgeschäft auf, was der Strohflechterei zusätzlichen Aufschwung bescherte.

Später war es Robert Gerwig, der Erbauer der Schwarzwaldbahn und Leiter der Uhrmacherschule in Furtwangen, der die Strohflechterei voranbrachte, indem er ab 1850 Geflechtschulen gründete. Er kümmerte sich um die Ausbildung von Geflechtlehrerinnen, die den Kindern im Unterricht das Flechten beibrachten.

Das Stroh wurde meist von den Kindern mitgebracht. Daheim mussten sie dann in Heimarbeit mithelfen, zum Unterhalt der Familie beizutragen. Viele Meter eines Geflechtes mussten hergestellt werden, bevor es zu Taschen und Hüten weiter verarbeitet werden konnte. Für 32 Meter feines Geflecht konnte man in den schlechten Zeiten gerade mal einen Laib Brot kaufen. So sah man auch viele Kinder beim Flechten, während sie als Hirtenkinder auf die Ziegen und Kühe aufpassten.

Während der Hochkonjunktur der Strohflechterei um 1860 entstanden eine Reihe von Geflechthandlungen. In Schonach waren es J.Kuner, Peter Duffner und Andras Kienzler.

1863 gründete L.F.Sauter die Strohhutfabrik in Schonach, die eine der bedeutendsten Strohhutfabriken im Schwarzwald wurde.

Doch schon bald kamen Produkte aus China und Japan wesentlich billiger auf den Markt und machten dem Strohgewerbe mächtig Konkurrenz. Um dieser Konkurrenz zu begegnen, gründeten 1882 neunzehn Strohhutfabrikanten und Geflechthändler einen Verband unter dem Motto „Einigkeit macht stark“, um die bodenständige Strohindustrie zu fördern. 1885 fand in Schonach die erste bedeutende Geflecht- und Halmausstellung statt, an der neben 53 Ausstellern auch die Geflechtschulen beteiligt waren.

Die Fördermittel von Staat und Verband zur Unterstützung der Strohindustrie flossen noch bis 1904. Die Gemeinden des Bezirksamts Triberg waren  die letzten, die noch Geflechtschulen aufrecht hielten. 1905 waren Schonacher Händler auf der Leipziger Messe mit neuen Kollektionen vertreten. Dennoch verhalf dies nicht zum großen Durchbruch. Die Schonacher Geflechtschulen lehrte bis in die 1920 er Jahre. Im Badischen Landesmuseum liegen Geflechtmusterbücher der berühmten Schonacher Geflechtlehrerin Balbina Schmieder aus.

Das Strohflechten wurde immer unbedeutender, einzig die Strohhutfabrik Sauter verhalf noch zum Absatz der Waren und beschäftigte Hutnäherinnen und Arbeiter an der Hutpresse. Die Tochter Annemarie Sauter führte die Strohhutfabrik weiter und erweiterte den Handel um Fastnachtsartikel. Bis 1992 wurden in der Strohhutfabrik Hüte genäht. Die Strohhutfabrik Sauter ist heute die letzte Strohhutfabrik im Schwarzwald –  im Dornröschenschlaf.